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„Ich danke Euch sehr“
Connection e.V.
Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure
„Ich danke Euch sehr“

Ruslan Kotsaba


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„Ich danke Euch sehr“

Ukrainischer Kriegsdienstverweigerer und Journalist berichtet

von Ruslan Kotsaba

Liebe Freunde,

ich danke Euch sehr, dass Ihr meine ungesetzliche Inhaftierung und Verurteilung begleitet habt. Danke auch, dass Ihr Euch mit Stellungnahmen an die deutsche Botschaft und die ukrainischen Behörden gewandt habt. Ich denke, insbesondere die internationale Resonanz und der damit verbundene Druck auf Präsident Poroschenko haben dazu beigetragen, dass ich vorzeitig aus der Haft entlassen wurde. Mit Eurer Unterstützung gelang es, die Aufmerksamkeit aller ehrlichen und friedliebenden Menschen auf die himmelschreiende Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung, auf antimilitaristische Aktivitäten und auf die allgemeinen demokratischen Rechte zu richten. Ihr habt mit Eurer Kritik zum Umgang in meinem Fall das absurde Handeln unserer Regierung offen gelegt. Ich danke Euch auch dafür, dass Uljana an Ihren Veranstaltungen teilnehmen und meine antimilitaristische Haltung vermitteln durfte!

Es ist schlimm und traurig, dass in meinem Heimatland Menschen für ihren christlichen Patriotismus und ihren humanitären Pazifismus unterdrückt werden. Es kränkt uns, dass unsere Regierung so handelt, dass die Ukraine ein autoritärer Staat und eine verdeckte Diktatur zu werden droht. Wir befürchten, dass sie auch weiter Spott mit mir treiben werden. Erst vor kurzem gaben die Sicherheitskräfte meine gesetzwidrig beschlagnahmten Sachen zurück, wie Computer, journalistische Arbeitsmittel, Telefon und Geld. Ich musste feststellen, dass die Videokamera unwiederbringlich zerstört ist, obwohl mir das Gericht der ersten Instanz zusicherte, ich würde mein Eigentum unversehrt zurück erhalten.

Zudem verpflichteten sie mich, für alle Gerichtskosten und Gutachten aufzukommen. Damit wollen sie nicht nur mich demütigen, sondern auch anderen kritisch denkenden Ukrainern Angst einjagen. Für mich bedeutet das, dass ich als Schuldner nie wieder ein ausländisches Visum erhalten kann. Das gefährdet in höchstem Maße meine finanzielle Lage.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass die ukrainische Staatsanwaltschaft eine Revision gegen den Freispruch des Berufungsgerichts von Iwano-Frankiwsk vom 14. Juli 2016 vorbereitet. Das Verfahren ist also noch nicht beendet, so dass ich auch keine Möglichkeit habe, beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte die Verantwortlichen wegen Erhebung einer widerrechtlichen Anklage und einer 524 Tage währenden Freiheitsberaubung zu verklagen. Damit ist mir auch die Möglichkeit einer moralischen Genugtuung genommen. Angesichts der jetzigen Reformen der obersten rechtlichen Instanzen ist davon auszugehen, dass bis zu einem endgültigen Abschluss des Verfahrens noch Jahre vergehen.

Wichtig ist aber: Ich bin in Freiheit, im Kreis der Familie und Freunde – mit Eurer Hilfe! Ich hoffe, dass ich Arbeit finde und unvoreingenommen und objektiv als Journalist arbeiten kann. Das ist nicht einfach angesichts einer Atmosphäre gegenseitigen Hasses und Angst.

Indem ich meine Pflicht als Bürger und Christ, als Patriot und als Journalist erfülle, habe ich das moralische Recht, die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie bitter und quälend ist.

Unsere räuberische und verlogene Regierung ignoriert auf zynische und verbrecherische Art und Weise Verfassung und Gesetze. Sie begreift offensichtlich nicht, dass es im Bürgerkrieg keine Gewinner geben wird, sondern dieser nur zu Chaos führt, zu gesellschaftlichem Hass und zu hoffnungslosen Schulden. Aber bislang kann sich niemand dazu durchringen, den notwendigen nationalen Dialog zu beginnen. Je schneller solch ein Dialog beginnt, desto eher wird es Resultate geben, denn mit militärischen Mitteln kann man Probleme, die sich in friedlichen Zeiten angesammelt haben, nicht lösen.

Ich kann mir vorstellen, dass Sie in Deutschland unseren Krieg, die hiesige politische Instabilität und Unsicherheit, den ökonomischen Zusammenbruch, die Korruption, den Jammer unserer korrumpierten Regierung, die niederträchtige Bettelei um weitere Kredite usw. satt haben. Aber ich bitte Sie sehr: Verhelfen sie als öffentliche Verteidiger der Rechtsordnung und als Pazifisten auch anderen ukrainischen Gewissensgefangenen zur Freiheit! Denn es ist allgemein bekannt, dass Patriotismus leicht in Armut enden kann. Und Armut ist das Fundament der neuen neo-stalinistischen Diktatur. Das bedeutet, dass die Zahl der politischen Gefangenen in der Ukraine unaufhörlich zunimmt.

Ich denke, dass dies zum Ziel führt, die Freiheit zu opfern - vielleicht sogar das Leben -, wenn es denn wirklich ein Opfer für Freiheit und Leben ist. Der Krieg im Donbass geht leider weiter, jeden Tag sterben Menschen und wachsen Schmerz und Verbitterung. Krie, das ist Leid, Blut, Tod, Zerstörung, Verzweiflung und beschädigtes Schicksal. Krieg kann nicht hell, wahrhaftig und gerecht sein, um so weniger, als dies ein Bürger- und Bruderkrieg ist. Aus irgendeinem Grunde sind Hass und Kriegspropaganda entzündet worden, und zwar besonders durch Journalisten. Ich denke, dass man die, die einer solchen aggressiven Rhetorik folgen, bestrafen und jene, die zu gesellschaftlichem Dialog und Verzeihen auffordern, ermutigen sollte.

Ich wünsche Euch Frieden!


Gewissensgefangener, Pazifist, Christ und Journalist Ruslan Kotsaba, 3. September 2016. Übersetzung aus dem Russischen: gs. Der Beitrag wurde veröffentlicht in: Connection e.V. und AG »KDV im Krieg« (Hrsg.): Rundbrief »KDV im Krieg«, Ausgabe November 2016



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